Das Wochenbett

Das Wochenbett beginnt mit der Geburt deines Kindes und dauert sechs bis acht Wochen. Diese Zeit ist ganz besonders – ein echter Ausnahmezustand. Der nicht nur rosarot und leicht ist, aber ganz viele Wunder bereit hält.

Die Zeit, in der du Mutter wirst und dein Kind auf der Welt ankommt –
das sogenannte Wochenbett.

Jedes Kind bringt seinen eigenen Zauber,
Freuden, aber auch Herausforderungen mit sich.

Plane das Wochenbett am besten bereits im Vorhinein mit deinem Partner und deinen engsten Vertrauten, damit es eine schöne, stressfreie Zeit wird.

Große Veränderungen, die dich nach der Geburt erwarten:

  • Hormonelle Umstellung, Babyblues, Gefühlschaos
  • Schlafmangel – dein Baby will alle 2-3 Stunden trinken und braucht Begleitung bei Verdauungsbeschwerden und beim Einschlafen.
  • Heilung: Jede Geburt ist ein Prozess des Öffnens, Loslassens und manchmal braucht es emotionale oder auch körperliche Heilung im Wochenbett (deine nachbetreuuende Hebamme kümmert sich um deine Wundheilung, falls eine Verletzung aufgetreten sein sollte, und begleitet dich bei allen Hochs und Tiefs).
  • Körperliche Heilung von eventuellen Geburtsverletzungen oder Kaiserschnittnarben: Wie jede Verletzung möchte ein Riss, ein Dammschnitt oder eine Kaiserschnittnarbe gepflegt werden. Beschäftige dich daher unbedingt von Beginn an mit der Verletzung / Narbe. Lass dir gerne erklären, wo die Naht liegt und wie sie verläuft, schau sie dir gerne an und greife sie auch frühzeitig an. Behandle deine Narben immer so, als wären sie mitten im Gesicht sichtbar!
  • Kaiserschnittnarbe: Hier handelt es sich um eine in die tiefe gehende Narbe, welche aber von außen sehr schnell heilt. Lass baldest möglich Luft hin, versuche keine engen Hosen zu tragen und schaue drauf, dass auch kein Hosenbund auf die Narbe drückt. Mit klarem Wasser darfst du gerne darüber duschen und dann immer gut trocken halten. Bei Husten, Niesen oder Stuhlgang hilft es oft gegen die Narbe zu drücken. Nachdem keine Kruste mehr sichtbar ist, nach 2-3 Wochen kannst du sanft beginnen deine Narbe zu massieren (z.B. mit Narbensalben, Johanniskrautöl oder Ringelblumensalbe). Zunehmend soll dieses Massieren immer fester werden und schließlich einen Narbenwulst verhindern. Es bietet sich auch eine Narbenentstörung durch eine/n Osteopath/in an. Die Nähte lösen sich von alleine auf.
  • Geburtsverletzung: Über Narben in diesem Bereich zu sprechen, ist oft ein Tabuthema. Aber gerade in diesem Bereich ist es ebenso wichtig, die Narbe zu pflegen. In den ersten Tagen können Eisbinden (Baumwollbinde mit 50-100ml Wasser übergießen und einfrieren) oder Topfenumschläge angenehm schmerzlindernd wirken und Schwellungen reduzieren. Sonst empfehle ich Lavendel- oder Johanniskrautöl in die Binde zu tröpfeln und Sitzbäder mit Eichenrindenextrakt zu nehmen. In der Zeit des Wochenbetts bitte nur mit reinem Wasser abduschen – dies empfiehlt sich gerne auch mehrmals täglich in den ersten Tagen nach der Geburt (Po-Dusche). Die Nähte lösen sich von alleine nach ca. 2-3 Wochen auf, im Anschluss daran braucht deine Narbe viel Aufmerksamkeit und sollte mehr und mehr massiert werden, um Narbenwülste vorzubeugen (mit Ringelblumensalbe, Johanniskraut- oder Lavendelöl oder anderen Narbensalben).
  • Wochenfluss: Auch innere Wunden heilen in der Zeit des Wochenbetts. Der Wochenfluss entspricht einer Wundausflusses durch eine Wunde an der Gebärmutterwand durch die Plazenta. Dieser zunächst in den ersten Tagen stärker als eine Regelblutung vorhandene Wochenfluss, wird in den ersten paar Tagen deutlich weniger und verbleibt ca. 3 – 8 Wochen – von einem kräftigen rot, über dunkelrot bräunlich bis hin zu rosa/ weißlicher Ausfluss. Fließt plötzlich früher nichts mehr, solltest du Kontakt mit deine Hebamme oder deinem Arzt aufnehmen. Förderlich wirken die Bauchlage, etwas Bewegung und feucht warme Wickel, sowie eine anregende Bauchmassage.
  • Beckenboden: Dein Beckenboden hat 9 Monate lang dein Baby und deine Gebärmutter mit allem drum und dran getragen und deine Harnblase freut sich endlich wieder über mehr Platz. Auch die Geburt und eventuelle Geburtsverletzungen beanspruchen deinen Beckenboden noch rückwirkend. Dein Beckenboden möchte trainiert und in der Rückbildung unterstützt, aber auch entlastet werden. Daher sind meine Empfehlungen: Viel Liegen entlastet den Beckenboden (v.a. Bauchlage), häufiges Entleeren der Harnblase. Rückbildung bedeutet nicht gleich Extremsport, aber mit der sanften Rückbildung kannst du nach Absprache mit deiner Hebamme/ deinem Arzt bereits ab dem Zeitpunkt, an dem du dich schmerzfrei und wohler fühlst, starten. Meist ist dieser Zeitpunkt etwa 2 Wochen nach der Geburt und sanfte Beckenbodenübungen lassen sich gut in den Alltag beim Stillen, Kochen, Zähne putzen oder als bewusste Zeit für dich bei 2x 5 Minuten / Tag integrieren.
  • Stillen: Nach der Plazentageburt wird die Milchbildung in Gang gesetzt. Dies ist ein 24h Job und du benötigst viel Ruhe, Privatsphäre, genug Flüssigkeit (2-3l) und gutes Essen, um genug Milch für dein Baby bilden zu können. Sich kennenlernen und neu finden als Partner und Familie
    (Einen Artikel zu Ernährung im Wochenbett findest du hier).
  • Rückbildung: Dein Körper hat Unfassbares geleistet, deine Gebärmutter hat sich von 7-9 cm auf bis zu 30 cm (60g bis auf 1000g) vergrössert. Nun ist die Zeit der Rückbildung, wo alle Organe, Muskeln und Faszien wieder an ihren Ort finden. Das geht jedoch nur, wenn du liegst und dich ausruhst. Darum heißt diese Zeit WochenBETT.

Ich empfehle dir, dich an folgende Regel zu halten, um deine Frauengesundheit nachhaltig für dein weiteres Leben positiv zu beeinflussen:

  • Bleib die ersten 3 Tage im Bett:
    Lass dich mit Essen verwöhnen, versuche regelmäßig deine Harnblase zu entleeren und konzentriere dich ausschließlich auf das Stillen, kuscheln mit deinem Baby, kennenlernen und schlafen! Jede Stunde Schlaf ist nun essentiell für dich. Mach selbst die Augen zu, wenn dein Baby schläft und leg dein Handy am besten in einen anderen Raum. Ich empfehle dir, in den ersten drei Tagen noch keinen Besuch zu empfangen, da dieser dich und dein Baby noch überfordern würde in dieser sensiblen Zeit.
  • Die darauffolgenden drei Tagen auf deinem Bett:
    Wenn du Besuch empfängst, tu dies im Pyjama in deinem Bett oder Sofa, mach noch nichts im Haushalt und geh noch nicht spazieren, langsam pendelt sich deine Stillbeziehung mit deinem Baby ein und der Babyblues und Schlafmangel machen sich oft bemerkbar, konzentriere dich darauf, gutes Essen zu essen, denn dies ist die Basis für deine Gesundheit.
  • Und die letzen drei Tage um dein Bett:
    Je nachdem, welcher Typ du bist, kann es sein, dass dir nun schon „die Decke auf den Kopf fällt“. Mach vielleicht einen kleinen Spaziergang, aber nicht länger als 15 Minuten, da man körperliche Überanstrengung immer erst im Nachhinein an der Brust oder am Beckenboden bemerkt.

Ein Start ins Leben, der von Ruhe, Geborgenheit und Liebe geprägt ist,

ist ein wahres Geschenk!

Große Veränderungen, die dein Baby erwarten:

  • Eigenständig atmen, Nahrung aufnehmen, Verdauung kommt erstmals in Gang, Temperatur halten.
  • Viele Sinneseindrücke: Licht, Gerüche, Geräusche, Berührungen.
  • Fehlendes Wasser, Grenzenlosigkeit.
  • Geburt verarbeiten.
  • Nabelheilung.
  • Es kennt noch keinen Tag- und Nachtrhythmus, sondern nur plötzlich auftretendes Saugbedürfnis wegen Hunger und / oder dem Bedürfnis nach Nähe.

Große Veränderungen, die den Vater im Wochenbett erwarten:

  • Den gesamten Haushalt übernehmen.
  • Kochen: “Mothering the mother” – der Kindsvater sollte sich darum kümmern, dass die Mutter gut ernährt und ausgeschlafen ist, damit sie Stillen kann.
  • Wenn möglich in Papamonat (Vaterschaftsurlaub!) gehen, ansonsten andere Familienmitglieder zur Unterstützung organisieren.
  • Das Baby beim Einschlafen und bei der Verdauung begleiten. Da eine Stillmahlzeit durchschnittlich 15-60 Minuten dauert und das Baby alle 1-3 Stunden saugen möchte, hat die Mutter keine Zeit es herumzutragen oder zu begleiten, wenn es einschläft. Dies ist ein großer Aufgabenbereich des Vaters. Am Anfang funktioniert man im “Schichtdienst” als Eltern bis das Wochenbett vorbei ist.
  • Auf seine eigenen Kräfte achten, wenn das Baby gestillt wird, selbst essen und auftanken.
  • Emotionaler Ausnahmezustand, da die Geburt ein großes Ereignis ist und man die vielen neuen Eindrücke und Erlebnisse nur nach und nach verarbeitet.

Empfehlungen fürs Wochenbett

Das Wochenbett ist kein normaler Alltag, sondern gehört noch zu den Prozessen von Schwangerschaft und Geburt dazu. Unter diesem Blickwinkel achte bitte auf deine Bedürfnisse und stelle dich als Mutter an die erste Stelle, denn nur wenn es dir gut geht, kannst du auch zu deiner alten Kraft zurück kommen und dein Baby nähren.

  • Vorkochen.
  • Kein Besuch in den ersten 4 Lebenstagen, bis der Milcheinschuss vorbei ist und der größte Schlafmangel aufgeholt wurde.
  • Wenn Besuch kommt, nur Menschen die dir gut tun. Besuchszeiten reglementieren, maximal eine halbe Stunde – Stunde. Keine lauten Kinder in der ersten Lebenswoche, nicht zu viele Personen auf einmal.
  • Du solltest die ersten 12 Tage im Bett bleiben, damit deine Organe wieder an ihren Platz finden (Gesetz der Schwerkraft). Daher Besuch nur im Pyjama empfangen.
  • Genug essen und trinken, auch wenn du keinen Appetit hast: Suppen,  Energiekugeln, leicht verdauliche Rezepte, Stilltee, Wasser, Saft, Kräuterblutsaft (gleicht deinen Blutverlust aus und baut Blut wieder auf).
  • Stillen ist sehr zeitaufwändig in den ersten Lebenswochen. Konzentriere dich nur aufs Stillen, in den Pausen kurz spazieren gehen (sobald deine Hebamme deine Rückbildung untersucht hat und das ok dafür gibt), gönne dir Momente und Dinge, die dir gut tun, auch mal kurz ohne Baby (warmes Bad, Entspannungsmusik, ect.), schlafe dann, wenn das Baby satt ist oder beim Partner ist. Die meisten Babies sind nachts aktiv und trinken durchgehend an der Brust um die Milchbildung für den nächsten Tag zu fördern (=Clusterfeeding).
  • Weinen gehört zur Heilung dazu. Es ist normal ein Wechselbad der Gefühle zu haben.
  • Keine Haushaltstätigkeiten im Wochenbett übernehmen, sondern Hilfe in Anspruch nehmen (Partner, Familie, Freunde oder Haushaltshilfe).
  • Ausgewogen ernähren.

Wochenbett nach einem Kaiserschnitt

  • Emotionen: Wenn du stundenlang Wehen hattest und dein Baby dann schlussendlich das Licht der Welt mit einem Kaiserschnitt erblickt, berichten viele Frauen von verschiedenen Gefühlen. Gefühle des Versagens oder der Wut, können auftreten. Manche Frauen empfinden die Wehen, die sie hatten, als sinnlos. Diesen Gedanken verstehe ich gut, doch es ist wichtig zu wissen, dass jede Wehe eine positive Wirkung auf dein Kind hat. Es hilft, deinem Baby sich auf das Leben außerhalb der Gebärmutter vorzubereiten, seine Lungen zu entfalten, seine Hormone zu aktivieren, um nach der Geburt schnell atmen zu können, dein Baby bekommt das Signal „Jetzt verändert sich etwas- jetzt endet meine Zeit hier in der Gebärmutter“. Auch für deinen Frauenkörper haben Wehen eine nachhaltig positive Wirkung auf die Funktion deiner Gebärmutter und auf die Rückbildung der Gebärmutter im Wochenbett.
  • Körperliche Heilung: Eine so große Operation bringt Schmerzen mit sich. Achte unbedingt darauf, dass du ausreichend Schmerzmittel nach der Geburt erhälst. Möglicherweise dauert es einige Tage, bis du ohne Schmerzen aufstehen und dich selbstständig um dein Kind kümmern kannst – das ist normal. Gib deinem Körper die Zeit zur Ruhe und Regeneration, die er braucht.
  • Der Milcheinschuss kann etwas später als am 3. Tag nach der Geburt kommen, kuschle viel mit deinem Baby und setze dich nicht unter Druck deswegen.
  • Deine Narbe braucht Luft und Hygiene, um gut zu verheilen. Im Krankenhaus erhältst du luftdurchlässige Unterwäsche und einen Verband über deiner Narbe. Wenn zu Hause eine Rötung, ein austretendes Wundsekret oder Schmerzen im Bereich der Narbe auftreten, wende dich bitte an eine Ärztin.
  • Zur Reinigung des Narbenbereichs verwende bitte keine Seife oder Duschgel, sondern nur Wasser.

Wenn das Wochenbett vorbei ist…

  • Kehrt schön langsam Alltag ein. Der Stillmarathon endet, das Baby entwickelt langsam einen Schlaf und Essens-Zyklus.
  • Die Mutter hat sich körperlich regeneriert von der Schwangerschaft und Geburt.
  • Der Partner kehrt oft wieder in den Berufsalltag zurück.
  • Ihr seid als Familie zusammengewachsen.
  • Solltest du deinem Beckenboden und der  Rückbildungsgymnastik noch sehr viel Aufmerksamkeit schenken.

Was nicht normal ist und spezielle Maßnahmen erfordert..

  • Es ist NICHT normal später, v.a. nach dem Wochenbett, noch Schmerzen zu verspüren.
  • Es ist NICHT normal Wochen nach der Geburt noch Urin oder Stuhl zu verlieren und Winde nicht zurückhalten zu können.
  • Es ist NICHT normal, wenn du auch noch längere Zeit nach der Geburt eine grosse Traurigkeit spürst.

Es ist WICHTIG, sich in solchen Fällen unbedingt Unterstützung zu holen und sich beraten zu lassen. Für postpartale Depression empfehlen wir:

Für die komplette Rückbildung benötigt dein Körper mindestens so lange wie die Schwangerschaft gedauert hat – 9 Monate

Wenn du Interesse an Esthers Geburtsvorbereitungskurs hast, dann schau doch einmal auf ihrer Seite vorbei: https://www.hebamme-esther.at/termine-online-geburtsvorbereitung.

Und wenn du auf der Suche nach einem Rückbildungskurs bist, der auf all die hier beschriebenen Umstände Rücksicht nimmt, dann schau doch einmal hier vorbei.

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