rund8fit. Narbenbeschwerden nach einem Kaiserschnitt

Narbenbeschwerden im Sport nach Kaiserschnitt

Knapp jedes dritte Kind in Deutschland kommt per Kaiserschnitt zur Welt (statista.com). Chirurgischer Standard ist dabei heute der sogenannte „sanfte Kaiserschnitt“ nach Misgav Ladach, welcher als gewebsschonender gilt als andere Operationstechniken.

Dank modernen Operationsmethoden und gutem Wundheilungsmanagement kommt es nur noch selten zu Wundheilungsstörungen. Trotzdem bemerken viele Mamas, die nach einem Kaiserschnitt wieder in ihren Sport zurückkehren, auf einmal ihre Narbe – insbesondere bei Impact-Sportarten wie Joggen oder Handball. Aber auch beim Training mit Gewichten meldet sich die doch eigentlich gut verheilte Narbe plötzlich, indem sie bei bestimmten Bewegungen zieht, brennt oder sticht. Woran können diese Narbenbeschwerden im Sport nach Kaiserschnitt liegen?

 

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Machen wir uns einmal bewusst, was bei einem Kaiserschnitt passiert

Deine Bauchdecke besteht aus mehreren übereinanderliegenden Gewebssichten. Von aussen nach innen findet man Haut, Unterhautfettgewebe, Bindegewebe/Faszie und das sogenannte Bauchfell/Peritoneum. Erst darunter befinden sich die Organe wie z.B. die Gebärmutter. Bei der in Deutschland etablierten Methode des Kaiserschnitts nach Misgav Ladach wird zunächst ein horizontal verlaufender Hautschnitt gesetzt und in der Folge werden alle weiteren Bauchwandschichten digital, das heisst mit den Händen, eröffnet. Nachdem das Baby aus der Gebärmutter gehoben wurde, werden sowohl Gebärmutter als auch die darüberliegenden Gewebsschichten teilweise per Naht verschlossen, teilweise heilen sie sekundär ohne chirurgische Naht aus.

rund8fit. Nerbenbeschwerden nach einem Kaiserschnitt

 

Das bedeutet, dass du nach einem Kaiserschnitt neben der von aussen sichtbaren Hautnarbe noch weiteres Narbengewebe in der Tiefe der Bauchdecke hast. Grade diese tiefen Narben bilden häufig im Rahmen der Wundheilung sogenannte „tiefe peritoneale Adhäsionen“ (vgl. Liedler, Peritoneale Adhäsionen, 2020, S. 109), umgangssprachlich „Verklebungen“ genannt, die die Gleitfähigkeit des Gewebes behindern und Beschwerden verursachen können.

In den ersten Wochen nach Entbindung ist es ganz normal, dass du Wundschmerzen hast und deine Narbe bei bestimmten Bewegungsübergängen wie z.B. dem Aufstehen vom Sofa oder bei Erschütterungen wie beim Lachen spürst. Im Laufe der physiologischen Wundheilung verschwinden diese Beschwerden normalerweise wieder und die Narbe wird unempfindlicher und stabiler.  

Tiefes abdominales Fasziengewebe benötigt viel länger, mindestens aber 6 Monate, um nach Verletzungen wie einem Kaiserschnitt, wieder seine ursprüngliche Stabiltät zu erreichen (Ceydeli et al 20025). Es ist also auch normal, dass du deinen Narbenbereich noch spürst, auch wenn die Hautnarbe schon reizfrei und vermeintlich „abgeheilt“ aussieht.

 

Die Narbe nach einem Kaiserschnitt

Idealerweise wurdest du angeleitet, diese Heilungsprozesse durch vorsichtige Massagegriffe deiner Narbe zu unterstützen. Diese Massnahmen beziehen sich aber primär auf die oberflächliche Bauchnarbe, die du sehen kannst – was aber ist mit dem tieferliegenden Narbengewebe unter der sichtbaren Bauchnarbe?

Narbengewebe hat immer die Neigung sogenannte Adhäsionen, also Verklebungen, zu bilden.

 

Das hast du vielleicht auch bei äusserlichen Narben schon einmal gesehen – sie ziehen sich ein und bilden feste Anteile. Genau das sehe und fühle ich häufig in der Praxis: die Mamas kommen mit Narbenbeschwerden nach dem Kaiserschnitt zu mir und auf den ersten Blick sieht die OBERFLÄCHENNARBE super aus. Sie ist schön dünn, kaum mehr zu erkennen und zeigt keinerlei Auffälligkeiten. Wenn ich dann das Narbengewebe versuche in der Tiefe, also nicht nur die Haut(!), zu bewegen, verziehen die Mamas schnell das Gesicht, weil dieses plötzlich schmerzhaft ist. Das sollte bei frei beweglichen Narben nicht der Fall sein und deutet auf die beschriebenen peritonealen Adhäsionen hin (s.o.).

rund8fit. Nerbenbeschwerden nach einem Kaiserschnitt

 

Die einzelnen Gewebsschichten müssen gleiten und sich gegeneinander bewegen können. Narbengewebe stellt dort häufig einen Störfaktor da. Es verklebt mit den umliegenden Schichten und behindert so deren Beweglichkeit. Du kannst dir das wie einen grossen Knoten im Bauchbereich Deines T-Shirts vorstellen. Wenn du mit diesem Knoten deinen Arm über den Kopf bewegen möchtest, ist diese Bewegung nicht so leicht möglich, wie ohne Knoten, da dieser die Beweglichkeit behindert. Genauso kann das bei einer Narbe passieren.

Wenn du z.B. beim Joggen dein Hüftgelenk streckst und darüber festes Narbengewebe von einem Kaiserschnitt die Beweglichkeit einschränkt, spürst du diese beispielsweise als Ziehen, Brennen oder Stechen.

 

Es kann also durchaus sein, dass alle, die einen Blick auf deinen Bauch werfen dürfen, deine gut verheilte Kaiserschnittnarbe bewundern, du aber trotzdem Beschwerden direkt an der Narbe oder auch in umliegenden Regionen wie z.B. dem Hüftgelenk, der Schambeinfuge oder dem unteren Rücken hast. Auch Beschwerden im Bereich des Beckenbodens und der Blase können mit deiner Bauchnarbe zusammenhängen, wusstest du das?

rund8fit. Nerbenbeschwerden nach einem Kaiserschnitt

 

Was also tun, wenn die tiefen Narbenschichten sich bemerkbar machen?

Wir Therapeut*innen verfügen über ein grosses Repertoire an Techniken zur Mobilisation von Narbengeweben. Leider wird nach meiner Erfahrung auch in der Praxis häufig nur die Hautnarbe behandelt. Genauso können wir aber auch die Beweglichkeit und Gleitfähigkeit in der Tiefe wiederherstellen. Das bedeutet für dich, dass wir auch mal etwas fester und tiefer in Deinem Unterbauch arbeiten und es auch während der Behandlung etwas zwickt und zwackt.

Ich weiss, dass die Angst grade nach Bauchoperationen gross ist, dass die Narben wieder aufgehen könnten. Zudem ist gerade der Bereich der Kaiserschnittnarbe häufig mit viel Emotionen und auch traumatischer Erfahrung belastet und viele Mamas trauen sich auch nach Monaten noch nicht, ihre Narbe selbst zu berühren. Ich kann dich da nur ermutigen, dir eine*n versierte*n Therapeut*in zu suchen, der*dem du vertraust. Du kannst sicher sein, dass wir keine Techniken anwenden, die dir schaden könnten.

Eine Narbe hält Monate nach Entbindung Einiges aus und wird mit Sicherheit durch unsere Techniken nicht einfach wieder aufgehen. Umgekehrt wirst du spüren, dass das Gewebe schnell unempfindlicher wird und vor allem auch deine Beschwerden im Sport nachlassen.

 

Gibt es auch etwas, das du selbst tun kannst?

Natürlich kannst auch du selbst etwas gegen deine Beschwerden tun und neben der Massage der Oberflächennarbe auch dein tiefes Narbengewebe mobilisieren. Im folgenden Video zeige ich dir ein paar Massnahmen, die gezielt das tiefe Narbengewebe ansprechen und gleitfähiger machen:

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Ich empfehle sie dir ab 3 Monaten nach Entbindung auch präventiv anzuwenden – so kannst du Narbenbeschwerden in Zukunft schon entgegenwirken.

Wenn du mehr darüber wissen möchtest, warum die Narbenpflege nach einem Kaiserschnitt zu empfehlen ist, dann lies auch folgenden Blog-Artikel: https://rund8fit.ch/narbenpflege-nach-kaiserschnitt/

 

Diesen Artikel hat Sabrina Nieland für uns geschrieben. Sie ist spezialisierte Physiotherapeutin und Heilpraktikerin im Bereich Frauengesundheit und Körpermittebeschwerden. Lies hier mehr über ihre Person und ihr Angebot und besuche sie im Instagram.

rund8fit. Mamath.de Sabrina Nieland

 

 

Literaturangaben:

Michaela Liedler „Peritoneale Adhäsionen“ 2020

Ceydeli, A., Rucinski, J. and Wise, L. (2005) Finding the best abdominal closure: an

evidence-based review of the literature. Curr Surg 62, 220–5

Ulla Henscher „Physiotherapie nach Kaiserschnitt“ 2008

Antje Hüter Becker „Physiotherapie in der Gynäkologie“ 2004

Katja Antony et al „Der primäre Kaiserschnitt-Operationstechniken und Vergütung“ 2017

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/71897/umfrage/entbindungen-und-entbindungen-per-kaiserschnitt-in-deutschland/

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