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Wenn die Blase drängelt

Physiotherapie bei Dranginkontinenz und überaktiver Blase: Was also machen, wenn die Blase drängelt. „Oje, wo ist mein Schlüssel? Gleich bin ich zu Hause und ich muss ganz dringend pinkeln. Mist, ich halte es nicht mehr aus…“

Kennst du solche Gedanken? Wenn ja, dann hast du vielleicht eine „überaktive Blase“ oder Dranginkontinenz. Häufiger und überfallartigen Harndrang, der einem das Gefühl gibt keine Sekunde länger warten zu können, dazu vielleicht auch ein unfreiwilliger Urinverlust noch bevor die Toilette erreicht ist – das ist das Syndrom der überaktiven Blase/ OAB (overactive bladder syndrom).

Damit bist du nicht allein! 6 von 100 Frauen im Alter zwischen 18 und 39 kennen dieses Problem. Mit zunehmendem Alter werden es immer mehr.1

 

Die Urogynäkologie

Das ist die Fachrichtung, die die Gynäkologie mit der Urologie verbindet. Sie behandelt zwei Formen der Inkontinenz: die Belastungsinkontinenz und die Dranginkontinenz.2

Bei der Belastungsinkontinenz (Urinary Stressincontinence = USI) passiert Urinverlust bei Druckerhöhung im Bauchraum, z.B. beim Husten, Niesen, Lachen, Hüpfen oder Springen.

Bei der Drangproblematik führt ein unwillkürliches Zusammenziehen der Blase dazu, dass häufig und plötzlich ein starker Harndrang entsteht. Bei der Dranginkontinenz (Urgency Urinary Incontinence = UUI) geht zusätzlich auch Urin verloren. Häufige Toilettengänge, auch nachts sind typische Begleiterscheinungen.

Leider gibt es auch Mischformen, bei der sowohl eine Belastungs-, als auch eine Dranginkontinenz gemeinsam auftreten.

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Was für Ursachen hat die Dranginkontinenz bzw. eine überaktive Blase? 3

Manchmal sind die Probleme „hausgemacht“ und es ist durch ein ungünstiges Toilettenverhalten zu der Problematik gekommen. Damit ist z.B. häufiges und vorsorgliches Entleeren der Blase gemeint, obwohl man gar nicht muss. Die Blase verlernt so Urin zu speichern und meldet sich immer früher. Auch Pressen beim Wasserlassen ist ungünstig und sollte vermieden werden.

Es gibt aber auch viele andere Gründe, wie z.B. vaginale Geburten, Senkungen, Infektionen, Bandscheibenvorfälle oder bestimmte neurologische Krankheitsbilder.

Auch traumatische Ereignisse, wie ein Missbrauch können ausschlaggebend sein.
Manchmal sind es aber auch ganz banale Dinge wie bestimmte Getränke, Nahrungsmittel oder Medikamente.

Ausserdem scheint eine unbehandelte Belastungsinkontinenz in vielen Fällen in einen Drang, bzw. Mischinkontinenz überzugehen.

 

Was kann ich tun?

Als erstes solltest du einem Urologen oder einer Urologin einen Besuch abstatten. Es muss abgeklärt werden, wo die Ursache liegt um eine optimale Behandlung einzuleiten! Für die Behandlung holst du dir dann am besten die Unterstützung einer*s spezialisierten Beckenboden-Physios.

 

Was passiert bei der Physiotherapie?

Anamnesegespräch:
Als erstes gibt ein ausführliches Gespräch – das Anamnesegespräch – bei dem dir viele Fragen gestellt werden. Oft gibt es zusätzlich auch Fragebögen, die man manchmal schon zu Hause ausfüllen kann. Man möchte z.B. wissen, ob bzw. wieviele Schwangerschaft oder Geburten du hattest, wie gross und schwer das Baby war, ob es Verletzungen gab oder wie lange die Geburt gedauert hat, ob du Allergien oder chronische Krankheiten hast, wie oft du auf die Toilette gehst, ob du Urin verlierst und wenn ja wieviel bzw. wann… und noch so einiges mehr.

Miktionsprotokoll:
Um deine Situation ideal einschätzen und behandeln zu können ist ausserdem ein sogenanntes Miktionsprotokoll/ Blasentagebuch notwendig. Dies ermöglicht ein sachliches Einschätzen der Situation und ermöglicht auch eine Verlaufskontrolle. Für so ein Protokoll notierst du unter anderem mehrere Tage lang in eine Tabelle, wieviel und was du wann trinkst, wieviel du wann wieder ausscheidest, ob du Urin verloren hast und wie dein Dranggefühl dabei war.

So kann herausgefunden werden, wieviel deine Blase fassen kann, ob an deinen Toilettengewohnheiten etwas geändert werden sollte, bzw. welche Therapiemassnahmen Sinn machen. Ausserdem kannst du deine Fortschritte sehen, wenn du nach einiger Zeit solch ein Protokoll wiederholst. Tatsächlich ist das ein ganz einfaches Hilfsmittel, mit einer grossen Aussagekraft.

Und was ist unser Ziel?
4 bis 7 Toilettengänge am Tag, Null Klobesuche in der Nacht, solange wir unter 60 Jahre alt sind – wenn wir ein Auge zudrücken, dann vielleicht 1x Aufstehen in der Nacht zum Wasserlassen. Der Abstand zwischen zwei Toilettengängen sollte in der Regel mindestens 2 und höchstens 4 Stunden betragen und die Blase sollte zwischen 300 bis 600 ml fassen können.

Untersuchung Beckenboden:
Ein*e spezialisierte*r Beckenbodenphysio wird dich, mit deiner Erlaubnis, auch vaginal untersuchen – einen sogenannten Beckenboden-CheckUp machen. Dies ist wichtig um herauszufinden, ob du deinen Beckenboden korrekt anspannen und entspannen kannst, wie die Spannung in deiner Beckenbodenmuskulatur ist und ob du eine Senkung hast. Manche Physios können auch zusätzlich mit einem Ultraschallgerät deinen Beckenboden und seine Aktivität untersuchen.

Abhängig von den Ergebnissen der Befragung und Untersuchung werden dann spezielle Massnahmen für dich ausgewählt.

 

Mögliche Massnahmen:4

  • Blasentraining
    Dieses spezielle Training möchte eine normale Füllung der Blase fördern. Manchmal muss die Kapazität erhöht (über 150 ml) und manchmal reduziert (unter 600 ml) werden.

 

  • Toilettentraining
    Beim Toilettentraining geht es darum, regelmässig (4-7 Mal) mit nicht zu langen und nicht zu kurzen Abständen die Toilette zu besuchen. Wichtig ist dabei auch eine ausgewogene Trinkmenge. 1,5 bis 2 Liter sollten es gleichmässig über den Tag verteilt sein.

 

  • Drangstrategien
    Es gibt sogenannte Drangstrategien, die erlernt werden können, um den plötzlichen Harndrang zu bändigen. Das reicht von kurzem kräftigem Anspannen, über bewusstes Loslassen und tiefes Atmen bis hin zu Gesprächen mit der Blase. Dein/e Physio wird dir alle Drangtechniken vorstellen und du kannst für dich austesten, womit du am besten zurecht kommst. Diese Strategien dienen auch dazu, das Blasenfassungsvermögen zu erhöhen. Diese sollten also nur angewendet werden, wenn dies ein Therapieziel ist. Ist die Blase schon an ihrer oberen Füllgrenze und soll das Volumen reduziert werden, macht es keinen Sinn mit Drangstrategien zu arbeiten. Das zeigt wie wichtig das Miktionsprotokoll ist – nur so wissen wir genau Bescheid!

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  • Massnahmen zur Stressreduktion
    Stress fördert Harndrang. Das kennst du vielleicht aus Prüfungssituationen. Solltest du ständig unter Stress stehen, triggert das die überaktive Blase. Hier empfiehlt es sich Entspannungstechniken zu finden und zu erlernen, die dich, dein Nervensystem und somit deine Blase beruhigen.

 

  • Trinkgewohnheiten optimieren
    Dein/e Physio wird mit dir auch deine Trinkgewohnheiten besprechen. Dein Flüssigkeitsbedarf (1,5 bis 2 Liter) sollte gleichmässig über den Tag verteilt werden. Bestimmte Getränke können (nicht müssen) den Drang verstärken. Dazu zählen koffeinhaltige Getränke, kohlensäurehaltige Getränke, säurehaltige Getränke. Manchmal hilft es schon einen Kaffee weniger zu trinken oder das Zitronenwasser am Morgen durch stilles Wasser zu ersetzen. Hier gibt es aber keine in Stein gemeisselten Regeln, sondern es muss individuell ausprobiert werden.

Ein zusätzlicher Tipp ist, 2 Stunden vor dem Schlafen gehen nichts mehr zu trinken. Wir wollen ja nachts schlafen und nicht zur Toilette gehen.

 

  • Biofeedback
    Mit einem Biofeedbackgerät kannst du den Beckenboden kräftigen, aber auch entspannen. Ein verspannter Beckenboden reizt die Blase und fördert das Dranggefühl. Mit einem Biodfeedback kannst du lernen, nicht nur bewusst und gezielt den Beckenboden zu aktivieren, sondern auch lernen ihn bewusst loszulassen und zu entspannen.

 

  • Elektrostimulation
    Mit spezieller Elektrostimulation kannst du die Nerven beruhigen, die die Blase reizen. Dabei werden Elektroden entweder in der Vagina, auf dem Bauch oder am Unterschenkel platziert.

 

  • Verdauungsregulierung
    Unseren Beckenorganen tut auch eine ballaststoffreiche Ernährung gut um Verstopfung zu vermeiden. Wenn sich der Enddarm regelmässig und leicht entleeren kann profitiert auch die Blase davon.

 

  • Pessartherapie 5,6
    Auch bei dieser Form der Inkontinenz ist ein Pessar eine Möglichkeit. Durch die Entlastung der vorderen Scheidenwand und das Stabilisieren der Blase kann die Drangsymptomatik abgeschwächt werden.

 

  • Rund8fit empfiehlt: ein ganzheitliches Beckenbodentraining. Probier es aus!
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Fazit: Es gibt also einiges an Massnahmen und Möglichkeiten, die helfen können eine Drangproblematik erfolgreich in den Griff zu bekommen.

Dieser Artikel hat Gloria Bonauer für uns geschrieben. Sie ist Physiotherapeutin, spezialisiert auf Beckengesundheit und Funktionsstörungen im Becken bei Frauen. Lies hier mehr über ihre Person und ihr Angebot und besuche sie im Instagram.

 

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Quellen:

1. https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/wissen/dranginkontinenz/hintergrund

2. Gynäkologische Urologie – Interdisziplinäre Diagnostik und Therapie, Eckhard Petri, Heinz Kölbl, 4. Auflage, S. 98 ff

3. Physiotherapie in der Gynäkologie, Physiolehrbuch Praxis, U. Henscher, 3. Auflagen, ThiemeVerlag, S. 117 ff

4.Physiotherapie in der Gynäkologie, Physiolehrbuch Praxis, U. Henscher, 3. Auflagen, ThiemeVerlag, S. 130 ff

5. https://www.universimed.com/ch/article/urologie-andrologie/fuer-jede-indikation-eine-loesung-2103007

6. Therapiehandbuch Gynäkologie und Geburtshilfe, Jürgen Wacker, Martin Sillem, Gunther Bastert, Matthias W Beckmann, 3. Auflage, Springer Verlag, S. 312

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