Der Überblick im Trage-Dschungel zu behalten ist nicht einfach.

Übersicht der Tragevarianten

Eigentlich hat man das Gefühl, es sollte ganz einfach sein. Man entscheidet sich vielleicht schon vor der Geburt dazu, das Kind tragen zu wollen, erbt womöglich eine Tragehilfe oder hat bei anderen gesehen, «wie’s so läuft». Dann kommt Tag X an dem man die Tragehilfe zum ersten Mal einsetzen will, sich online oder im Geschäft danach umsieht und dann merkt, wie riesig die Auswahl ist und wie kompliziert das Umbinden und Anschnallen. Deshalb folgt hier ein kleines Trage-1×1 mit einer Übersicht der Tragevarianten, um dir die Auswahl zu erleichtern.

Eins gleich vorweg: bei den Tragemöglichkeiten ist es wie mit einer Jeans – nicht jede Hose passt an jedes Bein oder über jeden Po. Einige Hosen trägst du mit Gurt, andere musst du kürzen oder sonst bisschen tricksen, damit alles sitzt, wie es soll. Ähnlich verhält es sich mit den Tragevarianten, denn alle «Tragepaare» sind unterschiedlich.

 

Die Tragevariante muss zum Tragepaar passen

Das Kind und du, ihr seid das Tragepaar und euch beiden soll die Tragevariante möglichst gut passen. Du bist vielleicht riesig und hast ein zartes Baby, dein:e Partner:in hat breitere Schultern und das Kind mag gerne die Arme frei etc. Aus diesem Grund ist es möglich, dass deine Bekannte von ihrer Trageerfahrung schwärmt während du dich in keiner Weise mit dem Tuch oder der Tragehilfe anfreunden kannst.

 

Fehlende Infos führen zu Tragefrust

Es ist völlig nachvollziehbar, dass dich eine unbequeme Tragehilfe, ein schlabbriges Tuch oder ein Kind, welches schreit und sich mit den Händen von dir wegstösst, verunsichern. Fehlen dir die Infos zum Binden oder dem richtigen Einstellen deiner Tragevariante, führt dies zu einem Tragefrust, welcher sich dann auch auf das Kind übertragen kann. Du bist ungeduldig, kommst ins Schwitzen und weisst nicht so richtig wie weiter. Das Kind spürt deine Anspannung, deine gepresste Atmung und teilt dies mit Unruhe mit. Glaub mir, aller Anfang ist schwer, aber die richtigen Griffe lassen es entspannter werden. Mit der passenden Tragevariante kannst du dein Kind ab Geburt sicher einbinden und bis ins Vorschulalter tragen. Hier findest du Tipps zum Tragen: Tragen leicht(er) gemacht.

 

Dies sind die gängigen Tragevarianten bei uns in der Schweiz

Tragetuch:

Gewobenes Tuch aus Baumwolle und unterschiedlichen Materialen (Seide, Leinen etc.) sowie Webearten, welches diagonal elastisch ist. Es ist unschlagbar in seiner individuellen Anpassungsfähigkeit. Es ist ab Geburt einsetzbar und «wächst» mit dem Kind mit, d.h. es können diverse Bindevarianten mit einem Tuch gemacht werden.

Welches Tragetuch ist das richtige für mich?

 

Elastisches Tragetuch:

Für viele das «Einsteigertuch», welches oftmals von Hebammen gezeigt wird. Weil es aus leichtem Jersey-Stoff ist, muss es anders als das gewobene Tragetuch (1-Lagig), 3-Lagig gebunden werden, um genügen Stabilität zu erzeugen. Es ist ab Geburt und eher für jüngere Babies geeignet.

Was ist ein elastisches Tragetuch?

 

Ringsling:

Gewobenes Tragetuch, welches an einem Ende zwei Ringe vernäht hat. Das Tuch verläuft über eine Schulter und das Gewicht des Kindes ist dadurch einseitig verteilt. Trotzdem kann die Trageperson aufgerichteter stehen als ohne Tuch. Das Kind kann vor dem Bauch oder auf der Hüfte oder für eher kurze Zeit auf dem Rücken getragen werden.

Was beachten beim Ringsling

 

Aquasling/Wassertragehilfe:

Tragevarianten aus «Badekleid-Stoff» für’s Stehen im Wasser oder unter der Dusche.

Fullbuckle:

Die Tragehilfe hat an Hüft- und Schultergurt Schnallen zum Befestigen und Verstellen. Dies hat Vorteile und Grenzen für das individuelle Einstellen.

Was ist ein Fullbuckle zum Tragen?

 

Halfbuckle:

Das Prinzip ist ähnlich wie bei der Fullbuckle nur sind die Schulterträger hier zum Binden, was dazu führen kann, dass sie angenehmer aufliegen.

Mei Tai:

Das Rückenteil ist aus einem gewobenen Tuch und die Tragehilfe wird sowohl um die Hüft und über die Schultern gebunden.

Weshalb mit einer Mei Tai tragen?

 

Einmal rund ums Haus vor dem Kauf

Sowohl der Körper der Trageperson, wie auch jener des Babies ist einzigartig. Einige Menschen reagieren empfindlich bei zu viel Druck im Nacken und auf den Schultern oder fühlen sich eingeengt, wenn sie einen Träger bei ihrem Rippenbogen spüren und sie den Gurt in der Taille festschnallen. Ich mache hier deshalb nochmals den Link zur Jeans – die probierst du meist auch rasch an, vor dem Kauf. Aus diesem Grund empfehle ich dir, eine Runde um’s Haus oder durch die Wohnung zu gehen, bevor du dich für eine Tragehilfe oder ein Tuch entscheidest. In einer Alltagsituation spürt ihr am besten, ob die Tragevariante für euch beide mehr als 10 Minuten bequem und geeignet ist.

 

Übe mit Puppe, teste mit Baby

Falls du dich für das Tragen mit Tuch entscheidest, kannst du dir die Technik grundsätzlich bereits vor der Geburt aneignen, weil das Tuch so individuell anpassbar ist. Du guckst dir vielleicht Videos an, buchst eine Beratung und übst selbstständig mit Puppe, Plüschtier oder Sofakissen. Möchtest du dir die Tragevariante aber offen lassen, kannst du eine Beratung buchen und dir vor der Geburt die verschiedenen Modelle aus der Nähe anschauen, ev. schon mal eine Technik mit der Puppe üben. Das genaue Einbinden, Anpassen und Testen sind aber dann mit echtem Baby ratsam. Durch die Bewegungen und Rückmeldungen des Kindes kannst du dich besser einfühlen, das Handling im Austausch mit dem Kind erleben und besser beurteilen, ob die Tragevariante für euch beide in ruhigen und stressigen Momenten passt.

 

Eine gute Tragehilfe hat einen verstellbaren Steg

Damit die Tragehilfe entwicklungsgerecht an das Kind angepasst werden kann, ist die Einstellungsmöglichkeit zwischen den Babybeinen entscheidend. Nach diesem Blogartikel kannst du mit der «Tragebrille» beurteilen, ob es sich um eine gute Tragehilfe handelt, wenn sie einen verstellbaren Steg hat. Durch Knöpfe, Klett, Kordel muss die Stegbreite in verschiedenen Stufen verstellbar sein, damit das Kind weder überspreizt noch zusammengedrückt, sondern in der Anhock-Spreiz-Haltung in der Tragehilfe ist. Mit diesem Kriterium läuft schon vieles in die gute Richtung. Wenn das Kind dann noch bis zum Nacken gestützt ist und der Stoff straff über den Rücken verläuft ist schon fast alles top. Wenn DU dann ganz am Ende aufrecht gehen kannst, nichts zwickt und drückt und weisst, dass das Kind auch ohne Festhalten hält, ist alles bestens! Ich hoffe du hast nun ein bisschen den Überblick und kannst dir unter den einzelnen Bäumen im Dschungel etwas vorstellen.

 

Dieser Artikel hat Tina von LittleFellow für uns verfasst. Tina ist unter anderem Trageberaterin. Auf ihrem Blog findest du viele spannende Themen rund ums Tragen und die Sexualpädagogik. 

 

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