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Sexualität nach der Geburt

Das Wichtigste gleich zu Beginn: Sexualität ist mehr als Penis in Vagina. Sie ist vielseitig und verändert sich ein Leben lang. Daher ist es sehr wahrscheinlich und auch in Ordnung, dass die Lust nach Nähe, Intimität, Austausch oder Verschmelzung nicht immer den gleichen Stellenwert in deinem Leben hat.

Eine Schwangerschaft und eine Geburt bringen grosse körperliche und psychische Veränderungen mit sich. Das Körperbild und die Beziehung zum eigenen Aussehen verändern sich und es ist ein Prozess, diese neue Erscheinung und Empfindung in das bisherige «Sein» zu integrieren. Einige Frauen beobachten den körperlichen Wandel fasziniert, finden sich zunehmend attraktiv und fühlen sich wohl in ihrer Haut. Sie können ihre sexuelle Aktivität auch während der Schwangerschaft geniessen. Sei es partnerschaftlich oder in Form von Solosex. Anderen fällt es schwer, ihren gewohnten Alltag mit einem neuen Körpergefühl zu vereinen und die Rundungen zu akzeptieren. Sie fühlen sich vielleicht verunsichert und machen sich zudem Sorgen um den Zustand des Babys – dies kann hinderlich sein für eine genussvolle Sexualität.

 

Es leuchtet also ein, dass sich dein Körper durch eine Schwangerschaft und Geburt verändert.

Diesen Anpassungsprozess erfolgreich zu meistern, ist herausfordernd. Der Übergang vom Frau-sein ins Mutter & Eltern– sein wird nicht umsonst «Krise» genannt und wird als anspruchsvoll erlebt, bis alle ihren neuen Platz gefunden haben. Genauso wie vorher wird es nicht mehr, und es ist ok, wenn dieser Neuanfang Zeit braucht. Dieser Übergang ist meist geprägt von gleichzeitigen Gefühlen, Körper und Psyche brauchen Zeit um alle Veränderungen zu verarbeiten. Es ist in Ordnung, wenn du dir bei Gynäkolog*innen, Hebammen oder Psycholog*innen etc. Unterstützung holst.

Einige Frauen haben bereits vor der Geburt eine meist positiv besetzte Verbindung zum Körper oder die Sexualität nimmt einen wichtigen Stellenwert ein. Das Weiterführen des Sexuallebens oder das Wiederaufnehmen nach der Geburt gelingt dann oftmals fliessender. Die Frau weiss dann zum Beispiel, dass sich «der Aufwand» für sie und ihr Wohlbefinden lohnen wird und hat deshalb auch «Appetit» darauf.

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Mögliche Gründe, warum dir Sexualität leichter oder schwerer fällt

Hatte das sexuelle Verlangen und der Wunsch nach Intimität oder orgastischer Entladungen vor der Geburt einen weniger zentralen Platz, kann die neue Situation «störungsanfälliger» sein und die Lust auf Zärtlichkeit und «Sex» dadurch für einige Zeit in den Hintergrund rücken.

Es gibt natürlich noch viele weitere Gründe, weshalb dir das Ausleben und Geniessen deiner Sexualität leichter oder schwerer fällt. Um Antworten und Ideen für deinen Alltag zu finden, könntest du ein bisschen forschen und passende Lösungen finden. Ist der Leidensdruck gering, hat das nach einer Geburt aber keine Eile.

Dein Körper leistet immer noch wahnsinnig viel und auch die Psyche muss da mithalten können.

Auch wenn deine Sexualität in diesem Übergang einige Monate ruht – sie kann immer wieder aufgeweckt und gefüllt werden, wenn du magst.

Nebst dem, dass sich einige Frauen nach der Geburt teilweise weniger begehrenswert fühlen, können auch Geburtsverletzungen oder hormonell bedingte Veränderungen der vaginalen Schleimhaut zu (vorübergehenden) Schmerzen und Hemmungen in der Sexualität führen.

Bei Geburtsverletzungen sollte die Frau unbedingt Hilfe aufsuchen und mit gezielter Unterstützung für die Heilung sorgen. Auch psychische Verstimmungen dürfen professionell unterstützt werden und sollen kein Grund zur Scham sein.

Menschen können auf Sexualität verzichten, wenn sie das wollen. Gleichzeitig beeinflusst die sexuelle Aktivität unser Wohlbefinden und umgekehrt und sie stellt deshalb eine Ressource für unsere Gesundheit dar.

Schlafmangel, die neue Dauerverantwortung für das Wohlbefinden eines Babys, die vielen körperlichen Kontakte zum Kind und die «Fremdbestimmung» können das Verlangen nach Nähe zwischen den Erwachsenen phasenweise mindern.

 

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Gleichzeitig gibt es auch Frauen, die durch das Stillen die direkte Verknüpfung zwischen Brust und Genital bewusster wahrnehmen. Für einige ist diese spürbare Regung in der Klitoris anfangs erschreckend oder irritierend – es ist aber normal. Die Brust ist bei allen Menschen mit vielen Nervenzellen ausgestattet und kann deshalb eine erogene Zone sein. Das heisst nicht, dass dich «dein Kind» erregt sondern zeigt dir einfach auf, dass diese Vernetzung in Betrieb ist. Frauen, die ihre Brust bereits vor der Geburt in ihre (Solo-)Sexualität integriert haben, wissen um die lustvolle Qualität und nutzen sie vielleicht trotz Milchproduktion gerne. Andere sind verunsichert, weil die Brust als Nahrungsquelle für das Baby «besetzt» ist und können sich im partnerschaftlichen Austausch schwer gehen lassen, mit diesem inneren Bild.

 

Halten wir fest:

Ob du nun eine Person bist, die weiterhin aktiv dafür sorgt, sexuellen Kontakt herzustellen um deine Bedürfnisse zu befriedigen oder ob du eher zurückhaltend bist und im Moment ganz gut ohne «Sex» auskommst – beides ist ok!

Die Sexualität verändert sich so oder so, denn dein Körper und deine Lebenssituation haben sich verändert, auch das ist ok.

Damit du nicht zu sehr unter Druck kommst und dein Gegenüber auch in den Prozess integriert wird, helfen dir vielleicht Anregungen zu den 3 Bereichen „Zeit, Kommunikation & Organisation“:

  • Dein Körper muss NICHT von heute auf morgen in die für dich «perfekte» Form kommen. Lass dir Zeit und entdecke neue, liebenswerte Merkmale an dir. Ein Rückbildungstraining kann dich hierbei unterstützen.
  • Stress und Zeitdruck wirken sich negativ auf die Lust und das Gefühl, sich gehen lassen zu können, aus. Daher, nimm dir Zeit für dich. Vielleicht gefällt dir folgende Übung:
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  • Um den Wechsel von der «Versorgerin» zur «Sexualpartnerin» zu schaffen, braucht es ebenfalls Zeit. Finde ein Ritual, um diesen Rollentausch bewusster lustvoll zu gestalten.
  • Bevor du partnerschaftlich intim wirst: hattest du ungestörte Zeit, dich zuerst wieder selbst liebe- und lustvoll zu berühren? Wie fühlt sich dein Körper, deine Vulva und Vagina an? Stichwort «Solosex»
  • Nimm dir Zeitfenster für dich. Das kann auch unter der Dusche sein. Wie fühlst du dich gerade, was würde dir gut tun?
  • Sprich mit deinem Gegenüber und erzähle von deinen Vorlieben, Unsicherheiten, Schmerzen. Was gefällt noch, was weniger, was will ausprobiert werden?
  • Sex haben bedeutet nicht nur Penis und Vagina, die ineinander verschmelzen. Sex ist auch küssen, streicheln, kuscheln, unzählige Formen von Berührung, erotische Notizen oder Nachrichten etc. Keine Lust auf Penetration bedeutet nicht, keine Lust auf Sex generell.
  • Partner*innen sind verantwortlich für ihre sexuelle Gesundheit. Hast du keine Lust auf Penetration, kann sich dein Gegenüber auch selbst berühren und schöne Gefühle schenken.
  • Damit Schmerzen verhindert werden können braucht es Zeit. Je mehr schaukelnde Bewegungen im Becken und «Aktivierung» in Form von küssen und liebkosen, um so mehr Zeit hat die Vagina feucht zu werden und sich zu durchbluten. Bevor Penis, Finger, Toys aufgenommen werden passiert schon ganz viel wertvoller «Sex». Ein ganzheitliches Beckenbodentraining kann die Durchblutung beim Beckenboden fördern.
  • Organisiert euch und sprecht über mögliche Zeitfenster für ungestörte Paarzeit. Das bietet die Möglichkeit, dass ihr euch wieder annähert und vielleicht habt ihr nebst sprechen, lachen, kuscheln auf einmal Lust auf mehr.
  • Findet gemeinsam neue Wege. Anstatt auszuweichen, zu hoffen, dass man vom anderen verstanden wird, ist es nötig gemeinsam über Sex und alles Drum und Dran zu sprechen.

 

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WUSSTEST DU, dass dein Beckenboden die Empfindsamkeit beim Sex POSITIV beeinflussen kann? Kurz zusammengefasst:

1️⃣ Ein regelmässiges, ganzheitliches Beckenbodentraining (bessere Durchblutung, vertiefte Wahrnehmung etc.) kann sich auch beim Sex spürbar machen.

2️⃣ Mache von deinen Trainingserfahrungen Gebrauch und spiele während dem Solosex mit deinem Beckenboden: Beckenboden anspannen UND entspannen, Becken bewegen (kreisen, kippen) etc.

3️⃣ Schmerzen beim Sex können auftreten, weil der Beckenboden aus verschiedenen Gründen dauerhaft angespannt ist und zu viel Spannung hat. Hier kannst du dir auch Hilfe bei einer Physiotherapeut*in (spezialisiert auf den Beckenboden) holen.

 

Wow, das Thema ist riesig.

Ich hoffe ihr habt euch in diesem Blog wiedergefunden und könnt ein bisschen durchatmen. «Sex ist die schönste Nebensache der Welt», schwingt uns allen in den Ohren – aber sind wir ehrlich: Es kann manchmal ganz schön anstrengend sein, alles unter einen Hut zu bringen. Ich will euch anstubsen, die Dinge auf den Tisch zu legen und gemeinsam eine neue Form eurer Sexualität zu entdecken oder euch einen virtuellen Daumen hoch schicken, wenn ihr gerade auf der Genusswelle reitet. Jeder Mensch bringt sein eigenes Drehbuch der Sexualität mit sich und dieses verändert sich ein Leben lang. Ja, bis ins Alter – aber das wäre ein neuer Blogartikel wert ☺

 

Dieser Artikel hat Tina von LittleFellow für uns verfasst. Tina ist unter anderem Trageberaterin. Auf ihrem Blog findest du viele spannende Themen rund ums Tragen und die Sexualpädagogik.

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