Perimenopause: Zeit, deinen Körper neu kennenzulernen

Perimenopause

Die meisten Frauen Ende 30 bis Mitte 40 bemerken es: das hormonelle Chaos der Perimenopause. Es beginnt oft ganz subtil, mit mentalen Veränderungen, Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, Konzentrationsproblemen und/oder Erschöpfung. Dann kommen häufig Zyklusschwankungen dazu und körperliche Beschwerden wie PMS, Muskel und Gelenkschmerzen, Gewichtszunahme, Schlafstörungen bis hin zu den bekannten Hitzewallungen. Das alles kann zum physiologischen Prozess der Perimenopause gehören. Es sind die Jahre der Hormonumstellung von unser fruchtbaren Lebensphase der Frau hin zur Menopause, dem Tag unserer letzten Periode. Ein Jahr danach beginnt die Postmenopause, das Hormonchaos der Perimenopause endet, der Hormonmangel bleibt.

Symptome und mögliche Behandlungsansätze

Perimenopause Stress

Nicht alle Frauen bemerken diesen Prozess. In meiner Arbeit als Therapeutin für Frauengesundheit begleite ich Frauen in dieser Lebensphase und es ist total individuell: Manche leiden dermassen unter dieser Lebensphase, dass sie in ihrer Lebensqualität massiv eingeschränkt sind, andere bemerken „den Wechsel“ kaum. Durch diesen hormonellen Umstellungsprozess gehen wir dennoch alle, er lässt sich nicht verhindern und er ist auch keine Krankheit, die wir bekommen oder auch nicht.

Neu ist das Wissen darüber, dass diese Lebensphase schon in den 30ern beginnen kann und eben nicht, wie noch oft suggeriert wird, nur die „alte Frau“ betrifft. Das ist ein häufiges Thema in meiner Praxis: Viele „Spätgebärende“ gehen direkt von der Rückbildungs-/Stillphase über in die Hormonumstellung und sind vollkommen hilflos mit ihrer Symptomatik, weil die Gesellschaft uns suggeriert, dass es DAS ja noch nicht sein könne. Was ich zusätzlich sehr wichtig finde: Die Aufklärung zu diesem Thema ist noch sehr schlecht bis kaum vorhanden. Die Ärzt*innen werden dafür im Medizinstudium nicht ausgebildet und die Krankenkassen zahlen fast nichts für Beratung von Frauen in/über die Perimenopause. Das bedeutet, dass wir mit unseren Beschwerden oftmals allein gelassen werden und noch häufig mit Kommentaren wie: „Das war schon immer so, da müssen Sie halt durch“ oder „Das geht irgendwann vorbei“ abgespeist werden.

 

Auch das finde ich aus meiner fachlichen Expertise heraus wichtig: Die Perimenopause geht vorbei, ABER der dadurch bedingte Hormonmangel bleibt bestehen. Und das sollte jede Frau wissen, denn wir können heute ganz viel tun um uns zu unterstützen und uns vor Allem auch präventiv auf ein gesünderes Älterwerden vorzubereiten.

 

Den Baustein dafür sollten wir in unseren 40ern legen: Der Hormonmangel in der Postmenopause hat mit den Themen Knochenschwund „Osteoporose“, Gefäßerkrankungen (Arteriosklerose/Herzinfarkt), Blutzuckerschwankungen/Insulinresistenz zu tun, um nur ein paar Beispiele zu nennen und deswegen ist es so wichtig, die Aufklärung zu diesem Thema, was eben auch die beschwerdefreien Frauen betrifft (!) voranzutreiben. Ich mache das tagtäglich mit meiner Arbeit vor Ort in meiner Praxis und mit meinem Onlineangebot Periwise, um Frauen aufzuklären und in die Selbstwirksamkeit zu diesem Thema zu bringen. Genauso individuell wie die Symptome, die die Frauen in der Perimenopause erleben, ist auch die Unterstützung, denn jeder Körper ist und reagiert anders.

Wir können uns in dieser Lebensphase oft schon gut selbst helfen, indem wir ein paar Lebensstilanpassungen vornehmen. Die Themen Schlafhygiene und Stressmanagement sind wichtige Bausteine für unsere „HORMONIE“ und auch die Themen Bewegung und Ernährung bewirken bei vielen Frauen schon eine Verbesserung ihrer Beschwerden. Zum Thema Ernährung wissen wir z.B. dass wir uns jetzt über eine erhöhte Proteinzufuhr (die Empfehlung liegt hier je nach Aktivitätslevel bei etwa 1,5g/kg Körpergewicht) und einer Ballaststoffzufuhr von etwa 30g/Tag) in der Hormonumstellung unterstützen können und Blutzuckerschwankungen besser reguliert werden, was gerade beim Thema „zunehmender Bauchumfang“ interessant ist.

Auch das Thema Krafttraining kann ein Gamechanger bei Beschwerden sein und Muskelmasse schützt vor Osteoporose, reguliert den Stoffwechsel und unterstützt unsere hormonelle Balance. Auch hier finde ich es wieder wichtig, nicht zu dogmatisch zu sein. Für viele Frauen ist es sehr schwierig, Sport in ihren Alltag zu integrieren und die „Angst“ vor Fitnesstudios ist gross, aber auch Pilates, Yoga und Ausdauertraining haben absolut ihre Berechtigung! Sie fördern Beweglichkeit, Entspannung, Gefässgesundheit und wirken stressregulierend. Und das ist mindestens genauso wichtig!

 

Hier gilt der Leitsatz: Der beste Sport ist der, den du regelmässig machst!

Sexualität

Ein Thema, über das oft geschwiegen wird, betrifft den Intimbereich. Viele Frauen bemerken in der Perimenopause zunehmende Trockenheit, Juckreiz oder Schmerzen beim Sex. Ursache ist meist der sinkende Östrogenspiegel, der die Schleimhäute dünner und weniger elastisch werden lässt und auch der Beckenbodenmuskel schwächt in dieser Lebensphase gern ab. Man spricht hier von vulvovaginaler Atrophie. Diese betrifft nicht nur die Vaginalschleimhaut, sondern auch die Haut der Vulva und sogar die Harnröhre. Die Schleimhaut ist schlechter durchblutet, die Abwehr gegen Keime nimmt ab, es kann häufiger zu Infektionen oder Blasenentzündungen kommen. Grade bei diesem Thema kannst du dich selbst wunderbar unterstützen:

  • lokale Östrogene
  • Zäpfchen mit Hyaluronsäure
  • Milchsäurekuren,
  • aber auch sanfte pflanzliche Mittel wie Sanddornöl oder Rosenzäpfchen schaffen oft Abhilfe.

Diese Beschwerden sind kein Tabuthema. Sie sind verbreitet, behandelbar und sollten nicht stillschweigend hingenommen werden.

Beckenbodentraining

Perimenopause Beckenboden

Auch das Thema Beckenbodentraining in den Fokus zu rücken ist eine gute Idee in den 40ern. In der Perimenopause ist der Beckenboden besonders gefordert. Der sinkende Östrogenspiegel wirkt sich auch hier aus: Die Muskulatur verliert an Kraft und Elastizität, das Bindegewebe wird schwächer, Inkontinenz oder Senkungsbeschwerden können die Folge sein.Viele Frauen bemerken, dass sie beim Husten, Niesen oder Springen tröpfeln. Oder sie haben das Gefühl, dass “untenrum” einfach nicht mehr alles so ist wie früher. Auch Schmerzen beim Sex oder ein Fremdkörpergefühl können Hinweise auf einen geschwächten Beckenboden sein.

Die gute Nachricht: Du kannst viel tun! Beckenbodentraining, angepasst an deinen Körper und Zyklus, kann oft erstaunlich viel bewirken. Neben den Lebensstilanpassungen gibt es diverse Pflanzenstoffe „Phytotherapeutika“ mit denen ich in der Praxis gerne arbeite und mit Hilfe derer vielen Frauen symptomatisch wunderbar bei ihren Beschwerden geholfen werden kann.

Nährstoffe/Supplemente

Perimenopause Nährstoffe Supplemente

Dazu haben wir die Möglichkeit, Nährstoffe/Supplements einzusetzen, um unser Hormonsystem in der Umstellung zu unterstützen und auch hier erleben viele Frauen schon eine Verbesserung ihrer Beschwerden. Ganz wichtig: Nicht einfach irgendwas einnehmen. Wir arbeiten therapeutisch nach dem Grundsatz MESSEN-MACHEN-MESSEN. Das bedeutet: Erstmal über ein Blutbild Mängel erkennen und dann gezielt auffüllen. Aufpassen solltest du bei den sogenannten „Multis“ also Supplements mit einer Vielzahl von Nährstoffen und/oder Pflanzen. Der Markt ist hier riesig und wird kaum kontrolliert, sodass teilweise keine Wirkung und im schlimmsten Fall Nebenwirkungen auftreten können. Kaufe im Zweifelsfall Apothekenprodukte und lass dich dort über die Inhaltsstoffe beraten.

Hormonersatztherapie (HET)

Perimenopause Hormonersatztherapie

Last but not least haben wir Frauen heute im Gegensatz zur Generation unserer Mütter wieder Zugang zur Hormonersatztherapie. Jahrzehntelang war das den Frauen nicht vergönnt, es gab einige Skandale um alte Hormonersatztherapien und so wurden diese eigentlich als Unterstützung gedachten Hormonpräparate vom Markt genommen. Heute wissen wir viel mehr über dieses Thema und es gibt mittlerweile „bessere“, bioidente Hormonpräparate, welche bei Beschwerden in der Hormonumstellung eingesetzt werden können und welche auch dem Hormonmangel im Alter und den damit einhergehenden negativen Auswirkungen auf z.B. Gefäße und Knochen entgegenwirken können. Diese Hormone sind sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland verschreibungspflichtig und haben ein viel geringeres Risikoprofil als die früheren Hormone. Viele Frauen und auch ich persönlich nutzen diese Möglichkeit heute wieder.

Die Hormonersatztherapie ist kein Muss, aber jede Frau sollte über diese Möglichkeit Bescheid wissen und aufgeklärt werden, um für sich selbst eine Entscheidung treffen zu können. Wenn du dich für eine Hormonersatztherapie interessierst, sollte zunächst einmal ein Hormonstatus gemacht werden, interessante Hormone wären hier z.B. das FSH, Estradiol, Progesteron und dazu die Schilddrüsenhormone und wichtig: dein Eisenspeicherwert/Ferritin. Das wirst du (zumindest in Deutschland und der Schweiz) in der Regel anteilig selbst zahlen müssen, da der Hormonstatus in der Perimenopause laut Leitlinie keinen Sinn macht aufgrund der Hormonschwankungen in dieser Phase. Ich empfehle trotzdem einen Hormonstatus zu haben, um zu wissen, aus welcher Ausgangssituation du vor der Therapie startest und um auch Veränderungen unter der Therapie darstellen zu können.

Fazit

Du siehst also, statt einfach durchzuhalten, kannst du deine Perimenopause selbst gestalten. Wir müssen da nicht mehr „durch“, es gibt ganz viel Unterstützung, auch wenn wir uns die Informationen darüber aktuell oft noch selbst suchen müssen.Die Perimenopause ist keine Krise. Sie ist eine Einladung an uns Frauen, in die Selbstwirksamkeit zu kommen und uns selbst zur Priorität zu machen.

 

Willst du tiefer ins Thema eintauchen? Im Gespräch zwischen Carolin (Beckenbodenphysiotherapeutin bei rund8fit) und Sabrina (Beckenbodenphysiotherapeutin und Expertin Perimenopause) erfährst du mehr:

 

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Mehr Informationen

 

Du kannst den Podcast ohne Video hören. Lust auf mehr Updates von Sabrina? Dann trag dich für den Newsletter ein oder entdecke das PERIWISE-Programm – dein roter Faden durch die hormonellen Turbulenzen der 40er.

Ausserdem können wir dir noch folgende Bücher empfehlen:

  • “Raus aus dem Hormonkarussel” von Dr. med. Judith Bildau
  • “Der Hormonwerte-Code” von Caroline Kreuschmer
  • “Woman on Fire” von Dr. med. Sheila de Liz

Oder hast du Lust auf ein strukturiertes 8-Wochen-Programm bekommen? Dann schau dir doch mal die Übersicht unserer Kursangebote an. Solltest du unsicher sein, welches Programm das Passende für dich ist, kannst du unseren Stufentest machen oder dich auch gerne von uns persönlich beraten lassen, melde dich dazu gerne unter kontakt@rund8fit.ch!

Über die Autorin Sabrina Nieland

Hallo, ich bin Sabrina Nieland, 45 Jahre alt, Mama einer 10-jährigen Tochter und spezialisierte Physiotherapeutin und Heilpraktikerin im Bereich Frauengesundheit und Körpermittebeschwerden.

In meiner Praxis „mamath= Mamatherapie“ für Schwangere und Mütter in Hamburg behandle ich Frauen mit Beckenboden- und Rektusdiastasebeschwerden, sowie schwangerschaftsbedingten Problemen und führe ultraschallunterstützte Körpermittecheckups durch.

Ein Fokus meiner Tätigkeit liegt in der Behandlung von Narben, sowohl am Bauch (z.B. nach Kaiserschnitt) als auch intern (z.B. nach Dammschnitt oder -riss). Daneben gebe ich Workshops für Betroffene und Kolleginnen und Kurse für die Rückbildungszeit und Körpermittebeschwerden. Ich möchte dazu beitragen, dass Frauen selbstbestimmter und selbstbewusster in dieser wichtigen Lebensphase mit ihrem eigenen Körper umgehen können. Daher sind mir die Vermittlung von Wissen und Selbsthilfestrategien ein grosses Anliegen.

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