Bewegung bei Gestationsdiabetes in der Schwangerschaft ist wichtig.

Gestationsdiabetes in der Schwangerschaft

GDM – schon einmal gehört? Oder gelesen? All diese Abkürzungen in der Schwangerschaft. Ab dem ersten Tag einer Schwangerschaft begegnen sie uns wie Sand am Meer. Ob SSW, NMT, BEL oder NIPT: Oft stehen dahinter medizinische Fachausdrücke, die auch ausgeschrieben keine Klärung bringen. Deshalb erfährst du in diesem Beitrag alles Wissenswerte zu GDM oder eben zu Gestationsdiabetes mellitus, was ins Deutsche übersetzt Schwangerschaftsdiabetes bedeutet.

Gestationsdiabetes in der Schwangerschaft

Ein Schwangerschaftsdiabetes ist ein erstmals in der Schwangerschaft aufgetretene und diagnostizierte Störung des Zuckerstoffwechsels. Quasi ein Diabetes in der Schwangerschaft. Dies hat also, in den meisten Fällen, nichts mit einem bestehenden Diabetes zu tun. Seit 20 Jahren nimmt die Anzahl der Schwangeren mit einem Schwangerschaftsdiabetes deutlich zu. Die Zunahme an Schwangeren mit einem Schwangerschaftsdiabetes liegt unter anderem auch an der neuen Diagnostik: Aktuell wird in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche den Schwangeren einen oralen Glukosetoleranztest empfohlen, der bei erhöhten Messwerten einen Schwangerschaftsdiabetes anzeigt. Früher wurde einzig einmalig am Morgen nüchtern einen Zuckerwert gemessen.

Diese Möglichkeit hast du übrigens auch in der heutigen Zeit noch. Falls du keine Risikofaktoren für einen Schwangerschaftsdiabetes hast (mehr dazu unten), kannst du die Möglichkeit eines nüchternen Zuckers anstelle des oralen Glukosetoleranztests mit dein*er Gynäkologen*in oder deiner Hebamme besprechen. 

Habe ich ein Risiko, einen Schwangerschaftsdiabetes zu entwickeln?

Rund 10% aller Schwangeren entwickeln einen Schwangerschaftsdiabetes. Das Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes zu haben, ist erhöht, wenn in deiner Familie bereits ein Diabetes diagnostiziert wurden. Deshalb fragt dich dein Arzt auch nach Vorerkrankungen in der Familie. Aber auch die Ethnizität kann ein Risiko sein. Hier betrifft es oft Frauen aus dem Osten, zum Beispiel aus Indien. Hier ist das Risiko aufgrund der veränderten Essgewohnheiten bei uns erhöht. Ebenfalls ein Risiko kann das mütterliche Alter unter 25 und über 35 Jahre als auch ein Body-Mass Index über sowie auch unter der Norm sein. Hier spielt der Stoffwechsel eine Rolle. Es gibt Menschen, die verwerten Nährstoffe schneller als andere. Diese Personen können oft essen, was sie wollen und legen kaum an Gewicht zu. Im Körperinnern findet quasi ein schnellerer Stoffwechsel statt. 

Oft finden sich aber keine der oben genannten Risikofaktoren und auch Frauen, die auf gesunde Ernährung und Bewegung in ihrem Alltag achten, können mit der Diagnose konfrontiert werden. 

Ich habe einen Gestationsdiabetes – und nun?

In der Leitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologin (2. Auflage, 2018) steht Folgendes:

„Die Folgen eines Schwangerschaftsdiabetes sind ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Infektionen, Frühgeburt, Kaiserschnitt, Geburtsverletzungen, Blutungen nach der Geburt und Depressionen bei der Schwangeren mit Schwangerschaftsdiabetes. Daneben bleibt bei 7 bis 29% der Schwangeren der Diabetes auch nach der Schwangerschaft bestehen, was langfristige gesundheitliche Folgen mit sich bringt. Die Kinder von Schwangeren mit Schwangerschaftsdiabetes haben ein erhöhtes Risiko einer Unterzuckerung direkt nach der Geburt und erhalten in den ersten Lebenstages oft Milch zusätzlich angeboten. Langfristig besteht ein erhöhtes Risiko für Adipositas, Diabetes und Bluthochdruck.“

Ganz schön viel. Damit will ich dir nicht Angst machen. Wichtig ist, dass du verstehst, dass es sich dabei um Risiken handelt und es keine 100% Sicherheit ist, dass diese Folgen bei dir eintreffen müssen. 

Was kannst du aktiv bei Schwangerschaftsdiabetes machen?

Zu Beginn sollte hier erwähnt werden, dass die Studienergebnisse dazu nicht eindeutig sind. Ob du einem Schwangerschaftsdiabetes entwickelst oder nicht, ist nicht von deinem Lebensstil abhängig.

Sowohl die Deutsche Diabetes Gesellschaft als auch die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie untersuchten Studien, die zeigen, dass vor allem Frauen mit einem erhöhten Body Mass Index von einer regelmässigen körperlichen Aktivität und einer ausgewogenen Ernährung bezüglich Schwangerschaftsdiabetes profitieren: Einerseits können sie Schwangerschaftsdiabetes vorbeugen, andererseits können so die gesundheitlichen Folgen vermindert werden.

Einen Beitrag zur Gesunde Ernährung in der Schwangerschaft findest du hier.

Dein/e Gynäkolog/in oder Hebamme wird dir im Falle eines Schwangerschaftsdiabetes körperliche Aktivität empfehlen (ausser du hast Schwangerschaftskomplikationen, wie vorzeitige Wehen oder Blutungen, die keine körperliche Aktivität erlauben) und du wirst eine Ernährungsberatung erhalten.  

Was bedeutet das konkret für deinen Bewegungsalltag?

Optimal ist es natürlich, wenn du dich bereits vor der Schwangerschaft regelmässig körperlich betätigst. Wenn nicht, darfst du natürlich auch erst in der Schwangerschaft damit beginnen. Bei einem positiven Schwangerschaftstest solltest du das Training dann einfach anpassen. rund∞fit bietet dir ab der 13. Schwangerschaftswoche ein optimal auf die jeweiligen Schwangerschaftswochen angepasstes Training an. Du erhältst drei abwechslungsreiche Aktivitäten pro Woche und kannst sicher trainieren. 

Du darfst dich auch im ersten Trimester sportlich betätigen. Viele schwangere Frauen fühlen sich in dieser Zeit aufgrund der starken hormonellen Veränderungen müde und ausgelaugt, auch leiden sie häufig unter Übelkeit. Deshalb ist es natürlich auch absolut in Ordnung, sich nicht sportlich zu betätigen und auf seinen Körper mit dem neu heranwachsenden Kind im Bauch zu hören. Fühlt sich Frau jedoch gut, steht der sportlichen Aktivität nichts im Wege. Es wird empfohlen, sich zwei bis drei mal pro Woche körperlich zu betätigen. Dabei reichen 30 bis 40 Minuten bei moderater Intensität, also so, dass du dazu immer noch sprechen kannst.

Sport in der Schwangerschaft

Stolpersteine im Alltag

Bei mir persönlich schleichen sich oft Stolpersteine in den Alltag, auch wenn ich mir das Training fest vorgenommen habe. Hier teile ich gerne meine persönlichen Tipps zu mehr Bewegung vor aber auch in und nach der Schwangerschaft:

Aktiv sein trotz…

…schlechtem Wetter: Indoor-Möglichkeiten nutzen und in der momentanen Pandemie die vielen Online-Programme ausprobieren; feste Trainingszeiten notieren

…wenig Zeit: Bewege dich zu Hause, mit Haushaltsarbeit verbunden; Bewegung in den Alltag integrieren (dafür findest du untenstehend noch weitere Tipps…), auch kleine Zeitfenster nutzen 

…fehlender Motivation: Bewegung abwechslungsreich gestalten; zu zweit oder in der Gruppe trainieren; Belohnung nach dem Bewegen; realistische Ziele setzen

…kleinem Budget: Training mit eigenem Körpergewicht; Bewegung im Park und/oder Wald

Wichtig ist, dass du dabei immer auf deinen Körper und dein Baby hörst und je nach Tagesform angepasst trainierst. Nun steht kein möglichst intensives Training oder ein neuer Rekord im Vordergrund, sondern nur du und dein Kind.

Bei Schwangerschaftskomplikationen wie Blutungen oder auch vorzeitigen Wehen solltest du dich immer vorgängig mit deiner Hebamme oder dein*er Gynäkologen*in absprechen und ein Ok fürs Training einholen. 

Walking Schwangerschaft

Keine Zeit = Keine Bewegung?

Wenn du wirklich einmal gar keine Zeit hast, dann integriere doch die Bewegung in deinen Alltag:

∞ Treppen steigen statt den Lift nehmen

∞ eine Haltestelle früher aussteigen und nach Hause laufen

∞ mit dem Fahrrad anstatt dem Auto einkaufen gehen

∞ einen Abendspaziergang dem TV-Programm vorziehen

Abschliessend möchte ich dir folgendes mit auf deinen Weg geben:

∞ Bei einem Schwangerschaftsdiabetes trägst DU keine Schuld. Körperliche Aktivität und eine angepasste Ernährung sind Möglichkeiten, dein persönliches Wohlbefinden zu steigern.

∞ Passe dein Training an – nicht nur der Schwangerschaftswoche, sondern vor allem deinem täglichen Befinden.

∞ gerade während einer Schwangerschaft ist Erholung genauso wichtig wie Bewegung.

 

Ich wünsche dir eine bewegte Zeit und freue mich darauf, dir zukünftig weitere Abkürzungen aus dem Leben einer Schwangeren verständlich an die Frau zu bringen.

Dieser Artikel ist von Sophie Wanner. Sophie ist Hebamme und Aromatherapeutin. Für rund∞fit schreibt sie Artikel aus ihrem Fachbereich.

Quelle

Deutsche Diabetes Gesellschaft und Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie (2018). S3-Leitlinie Gestationsdiabetes mellitus (GDM), Diagnostik, Therapie und Nachsorge, 2. Auflage.

Brechbühl, S. & Zimmermann C. (2013). Bewegte Schwangerschaft – Sportprogramme zur wirksamen Prävention und Therapie von Gestationsdiabetes, Bachelorarbeit, Berner Fachhochschule für Gesundheit. 

 

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